252016Mai
Tipps zur Mundhygiene während der Schwangerschaft

Tipps zur Mundhygiene während der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft ist Mundhygiene besonders wichtig. Aber was sollten Mütter zum Wohle ihrer eigenen und der Zähne ihres Kindes während der Schwangerschaft beachten?

Als Zahnarzt und Vater weiß ich, dass es bei vielen schwangeren Frauen eine mehr oder weniger deutliche Unsicherheit über die richtige Mundhygiene gibt.

Dabei besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Mundgesundheit der werdenden Mutter und dem Risiko einer Frühgeburt. Auch ein zu geringes Geburtsgewicht oder spätere Zahnschäden des Kindes können auf eine beeinträchtigte Mundgesundheit zurückgeführt werden. Das ist mehrfach wissenschaftlich bestätigt worden.

Regelmäßige Kontrolle auch während der Schwangerschaft

Nicht selten neigen Schwangere dazu, Zahnarztbesuche in dieser Zeit zu vermeiden. Die Ursachen dafür können fehlendes Wissen, Ängste um den kommenden Nachwuchs oder eigene schlechte Erfahrungen sein.

Dabei ist es gerade in dieser Phase wichtig, regelmäßig die Mundgesundheit zu kontrollieren.
Falls erforderlich, müssen bereits bestehende Zahn- oder Zahnfleischbehandlungen und prophylaktische Maßnahmen fortgesetzt werden.

Ich empfehle insbesondere in den ersten Monaten der Schwangerschaft, dass sich werdende Mütter mit mir zu einem Beratungsgespräch zusammensetzen und wir – sofern es sich als erforderlich herausstellen sollte – eine Behandlung besprechen. Nur so können Risiken für das Kind und die Mutter auf das geringste Maß reduziert werden.

Risiken während der Schwangerschaft

Risiken ergeben sich aus unterschiedlichen Faktoren.

Zwar wechseln viele Frauen in der Schwangerschaft zu allgemein bekannten „gesunden“ Nahrungsmitteln, doch entsteht durch die vermehrten Zwischenmahlzeiten häufig ein ungünstiges Milieu aus Säuren im Mund. Diese Säuren können zwar durch den Speichel nach einer gewissen Zeit neutralisiert werden, ist jedoch die Häufigkeit der Zwischenmahlzeiten zu hoch, entstehen Folgeschäden:

Entkalkungen an der Zahnoberfläche verursachen die Bildung von Karies.

Eine ähnliche schädliche Wirkung bewirkt das öfter auftretende Erbrechen der Schwangeren. Hoch konzentrierte Magensäure bekommt so Kontakt zur Zahnsubstanz und schädigt diese.

Ein weiteres Phänomen der Schwangerschaft ist der sich ändernde Hormonspiegel und dessen Effekt auf die Durchblutung und die Beschaffenheit des Zahnfleisches. Nicht selten entsteht eine sogenannte „Schwangerschaftsgingivitis“, also eine Entzündung des Zahnfleisches. Weil es stärker durchblutet wird, reagieren die Blutgefäße empfindlicher auf Reize und das Zahnfleisch schwillt an. Trotz gleichbleibender Mundhygiene reagiert das Zahnfleisch nun mit einer Blutung und veranlasst manche Frauen dazu, ihre Mundhygiene sogar zu reduzieren.

Weiterhin verändert sich durch die Schwangerschaft die Zusammensetzung der Keimbesiedlung des Mundes. In Kombination mit eventuell vorhandenen ungünstigen Faktoren (Stress, Nikotin- oder Alkoholkonsum und Medikamenteneinnahme) erhöht sich das Risiko einer Parodontitis (Erkrankung von Zahnfleisch und Zahnhalteapparat).

Gelangen nun diese Keime in die Blutbahn, so kann der normale Schwangerschaftsverlauf gestört werden. Das kann zu einer Frühgeburt oder zu einem zu geringen Geburtsgewicht des Kindes führen.

Was können schwangere Frauen für die Mundgesundheit tun?

Ich empfehle, alle Möglichkeiten intensiv zu nutzen, um schon vorbeugend die Entstehung von Risikofaktoren für Mutter und Kind zu vermeiden:

  • regelmäßiger Besuch beim Zahnarzt
  • eine gesunde Ernährung
  • eine auf die aktuelle Situation gut abgestimmte Mundhygiene.

Die Ernährung sollte auf zahngesunde Lebensmittel (beispielsweise Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Wasser) konzentriert werden. Bei zuckerhaltigen Zwischenmahlzeiten empfiehlt sich das anschließende Spülen mit einer zinnfluoridhaltigen Spüllösung oder Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta oder zumindest das Kauen eines zahnfreundlichen Kaugummis.

Die regelmäßige Zahnreinigung sollte mindestens zweimal am Tag erfolgen und durch die Zahnzwischenraumpflege mit Bürstchen oder Zahnseide ergänzt werden.

Das zusätzliche Reinigen des Zungengrundes und die Anwendung einer Mundspüllösung mit dem Bestandteil Zinnfluorid als Kariesprophylaxe sind von Vorteil. Ein Auftragen eines höher konzentrierten Fluoridgels kann einmal wöchentlich ergänzt werden.

Behandlungen möglichst nicht während der ersten drei Monate

Ist trotz aller Pflege und vorbeugenden Maßnahmen eine Behandlung notwendig geworden, sollte sie möglichst nicht in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft erfolgen.

Danach ist nach strenger Abwägung in Absprache mit dem Gynäkologen eine Behandlung eher möglich.

Zahnbehandlungen während der Schwangerschaft müssen nicht schmerzhaft sein

Natürlich sollte auf die Verwendung von Medikamenten während der Schwangerschaft soweit wie möglich verzichtet werden. Nach strenger Abwägung kann dennoch entschieden werden, ob die Gabe lokaler (z.B. Articain) oder allgemeiner Schmerzmittel (z.B. Paracetamol) sowie Antibiotika (zum Beispiel Penicilline oder Cephalosporine) verantwortet werden kann.

Akut kariöse Zähne sollten auch in der Schwangerschaft behandelt werden, ebenso wie akute Entzündungen des Zahnfleisches. Sonst kann es durch den Speichel zu einer Übertragung auf das Kind nach der Geburt kommen.

Frühkindliche Zahnerkrankungen müssen nicht sein

Die frühkindliche Karies ist bei etwa 15 bis 20 Prozent aller zwei- bis dreijährigen Kinder in Deutschland vertreten. Unter diesem Begriff versteht man das Auftreten von Karies bis zu einem Alter von sechs Jahren.

Die häufigsten Ursachen sind zuckerhaltige Speisen oder Getränke in hoher Frequenz und eine mangelhafte Mundhygiene.

Die Folgen sind beträchtlich:

  • Das Kind leidet an heftigen Zahnschmerzen
  • Die Nahrungsaufnahme kann eingeschränkt sein
  • Die Sprachentwicklung kann gestört werden
  • Der Kiefer kann sich fehlentwickeln
  • Die Zahnschäden des Milchzahns können sich auf den bleibenden Zahn übertragen

Darum rate ich Eltern, sich beraten zu lassen und schon im ersten Lebensjahr des Kindes zur Kontrolle den Zahnarzt aufzusuchen. Später sind dann halbjährliche Untersuchungen empfohlen.

Die Mundhygiene kann schon vor dem Durchbruch der Zähne mit entsprechen Hilfsmitteln erfolgen. Ab dem ersten Zahn ist eine Reinigung mit einer dem Alter entsprechenden Zahnbürste, Zahnpaste (Fluoridgehalt 500ppm) zweimal täglich ratsam. Werden Fluoridtabletten verwendet, kann auf den Fluoridanteil in der Zahnpaste verzichtet werden.

Unterstützen Sie als Eltern das Zähneputzen Ihres Kindes, auch wenn das Kind diese Pflege bereits selbstständig übernimmt, zumindest bis die manuellen Fähigkeiten ausreichend ausgebildet sind (etwa bis zum achten Lebensjahr).

Fazit zur Mundhygiene während der Schwangerschaft und den ersten Lebensjahren des Kindes

Zusammenfassend rate ich, dass Sie als künftige Mutter bereits während der Schwangerschaft die therapeutischen und prophylaktischen Möglichkeiten Ihres Zahnarztes nutzen sollten, um bereits die Weichen für eine gute Mundgesundheit ihres Kindes zu stellen.